In der Luft! | © Florian Hasenauer
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Tandem-Paragleiten

Abheben und von der Thermik tragen lassen. 

PARAGLIDEN. Als ich das Wort im Programm für die #STORYBASE2017 lese, ist mir sofort klar: Das muss ich ausprobieren. Und so stehe ich ein paar Tage später, früh morgens, am Fly'n Soul Spot in Hinterglemm. Mein Tandempilot Florian Hasenauer ist schon da und trifft letzte Vorbereitungen für den ersten Flug an diesem strahlend schönen Morgen. Nach einem kurzen Hallo samt aufmunterndem Lächeln, wahrscheinlich bin ich doch etwas blass um die Nase, gibt er mir die nötige Ausrüstung: Helm und Brille. Ansonsten habe ich meine Snowboardklamotten an, denn es geht hoch auf den Berg und da ist es recht frostig.

Florian schultert seinen Rucksack, drückt mir einen zweiten Rucksack in die Hand und gemeinsam laufen wir zur Gondel, die uns heute auf den Westgipfel hinaufbringt. Er legt ein flottes Tempo vor und ich stapfe mit dem schweren Rucksack hinterher. Florian ist gut trainiert, keine Frage. Und ich? Bloß keine Schwäche zeigen!

 

Würden sie diesem Mann ihr Leben anvertrauen? Auf jeden Fall!

Je nach Wetterlage gibt es drei verschiedene Berge, von denen Florian mit seinem Gleitschirm startet. Heute ist der Westgipfel unser Startplatz. Ich habe noch nie einen Tandemflug gemacht und muss vorher natürlich wissen, wem ich da mein Leben anvertraue. Also nutze ich die Gondelfahrt, um ihm Löcher in den Bauch zu fragen. Und natürlich auch, um meine Nerven zu beruhigen.

 

Florian, seit wann fliegst du mit dem Gleitschirm?

Ich fliege seit gut 25 Jahren mit dem Schirm. Früher bin ich Wettbewerbe geflogen, Streckenfliegen, Hike and Fly und Akrofliegen. Aber das interessiert mich nicht mehr. Ich mache privat nur noch freies Fliegen. Zum Beispiel die Westküste von Amerika hoch - von Mexiko bis nach Seattle und Kanada. Da lernst du die Menschen kennen, die Gegend. Das passiert bei Wettbewerben nicht. Das hat mich am Ende gestört. Die Leute sehen die Gegend nicht mehr, die wollen nur Erster sein. Früher dachte ich immer, ich muss mich ändern, aber mit 30 ändert man sich nicht mehr, also mache ich mein Ding und am Ende sind die Sponsoren, die zu mir passen zu mir gekommen. Ich kann meine Sachen machen und die finden das gut. Und ich brauche ja nicht viel.

 

Was muss ein Gleitschirmpilot können?

Die Ausbildung ist ein bisschen wie bei einem Piloten. Du musst dich in Luftrecht, Technik und Meteorologie auskennen, eine Menge Flüge absolvieren und bekommst am Ende den Flugschein A. Bevor du für einen Streckenflug startest, musst du eine Fluggenehmigung haben. Alles offiziell, denn du bewegst dich im offiziellen Luftraum. Du stehst mit den Fluglotsen im Kontakt und hast natürlich dein Material dabei, damit du dich orientieren kannst.
 

Nimmst du etwa während des Fluges dein iPad oder Karten aus dem Rucksack?

Ja klar, das geht schon. Du hast ja Zeit da oben.

 

Hat dich das Fliegen verändert?

Vielleicht hat es mit dem Alter zu tun, ich bin sehr dankbar für alles. Ich danke dem Herrgott für jeden Tag, obwohl ich es sonst nicht so mit Gott habe. Wenn du von Rio nach Sao Paulo fliegst und irgendwo im Wald landest, dann bist du froh, wenn an einem Rinnsal ein Becher hängt und du weißt, dass du dieses Wasser trinken kannst. Du kriegst eine andere Sicht auf die Dinge.

 

Wo bist du lieber, in der Luft oder auf dem Boden?

In der Luft. Ich esse nichts, was Flügel hat, aus Respekt. Außer Ente süßsauer. (Ob ich das jetzt glauben soll?)

Wir sind am Gipfel angekommen. -12 Grad. Es war eine frostige Nacht und die Eiskristalle haben alles in ein Winterwonderland verwandelt. Mit geübten Griffen legt mir Florian die Ausrüstung an und breitet anschließend den Schirm aus. Er kontrolliert ein zweites Mal, ob alles sitzt und schon sind wir bereit für den Abflug. Seine Routine wirkt auf mich absolut beruhigend und ich habe vollstes Vertrauen und zögere keine Sekunde, als es heißt: „Lauf!“

 

3, 4, 5 Schritte und wir heben ab.

Alles geht so schnell, ich habe nicht mal Zeit für eine Schrecksekunde. Ich lasse mich tief in den Sitz sinken, lehne mich zurück und genieße die Schwerelosigkeit, das Gleiten über die verschneiten Bäume unter mir, die Berge um mich herum. Es ist ziemlich kalt und ich ärgere mich kurz, dass ich mein Halstuch vergessen habe. Es könnte jetzt gute Dienste leisten und meine Nase davor bewahren, vor Kälte abzufallen, aber was ist schon eine Nase bei diesem Ausblick! Ich muss die ganze Zeit grinsen vor Glück und bin erstaunt, wie ruhig der Flug ist. Kein Wind, der an uns zerrt, nichts was rüttelt oder uns ins Taumeln bringt. Es ist einfach nur schön, unglaublich ruhig und erstaunlicherweise habe ich Zeit. Zeit, den Flug wirklich zu genießen, mit Florian zu plaudern und die Welt von oben zu betrachten.

 

Nach ca 20 Minuten ist es so weit, die Landung naht und wieder gehorche ich einfach dem Kommando: „Beine hoch!“ Und schon setzte ich sanft mit dem Hintern auf. Ich bin überwältigt und ein bisschen stolz auf mich. Für den Rest des Tages laufe ich zufrieden grinsend durch die Gegend und weiß eines ganz sicher, ich würde es sofort wieder tun.

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